Digitale Instandhaltung dank mobiler Datenbrillen

15.05.2020

Um die Gesundheit der Beschäftigten zu schützen, schränken aktuell viele Betreiber den Zugang zu ihren Industrieanlagen ein. Um in dieser Situation den Anlagenbetrieb auch mit reduziertem Personal vor Ort zu gewährleisten, setzt Bilfinger auf verschiedene digitale Lösungen. Eine davon ist die Fernwartung mit Hilfe sogenannter Smart Glasses.

Smart Glasses sind Datenbrillen, die bestimmte Informationen ins Sichtfeld des Nutzers einblenden. Sie ermöglichen computergestütztes Arbeiten durch Augmented Reality (AR), zu Deutsch: erweiterte Realität. Das bedeutet, dass die reale Umgebung mit digitalen Inhalten vermischt wird. Die Gläser der AR-Brillen sind Projektionsflächen, auf denen digitale Bilder oder Nachrichten erzeugt werden. Die Brillenkameras scannen die Umgebung, so dass die Smart Glasses die aktuelle Umgebung mit digitalen Inhalten überlagern können. Mit dieser Technologie können beispielsweise Reparaturarbeiten durchgeführt werden, ohne dass der Techniker selbst vor Ort ist. Experten können von unterschiedlichen Standorten aus digital zugeschaltet werden.

Ursprünglich wurde die Fernwartung über Smart Glasses von Bilfinger Digital Next entwickelt und erprobt. Mit der Übergabe an die Bilfinger Maintenance erfolgt nun der praktische Einsatz der Technologie bei der Fernwartung im Instandhaltungsgeschäft. „Durch die Smart Glasses können wir Zeit sparen, Reisekosten senken und in der aktuellen Situation gesundheitliche Risiken mindern“, sagt Jörg Stieglitz, Rollout Manager Digital Solutions bei Bilfinger Maintenance. „Entsprechend der individuellen Bedürfnisse der Kollegen oder Kunden stellen wir dafür die jeweils passende Hard- und Software zur Verfügung.“ 

Einsatz in der Praxis

Wie der Praxiseinsatz vor Ort aussehen kann, zeigt sich im Werk eines weltweit tätigen Schweizer Konzerns der Spezialchemie, in dem Bilfinger die Instandhaltung von Pumpenanlagen verantwortet. Während Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten durch Bilfinger-Mitarbeiter direkt am Kundenstandort übernommen werden, erfolgen das Engineering, die Schadensanalyse und die Erarbeitung von Verbesserungsmaßnahmen am rund 370 km entfernten BilfingerStandort in Frankfurt am Main. Trotz der Entfernung kann der Verantwortliche über die Smart Glasses des Kollegen vor Ort die Anlage in Echtzeit sehen und mit ihm besprechen. Über einen Bildschirm kann er bei Bedarf weitere Informationen zur Wartung oder Reparatur in das Sichtfeld des Kollegen einblenden, etwa technische Daten oder Herstellerhinweise. Der Kollege vor Ort hat dabei die Hände frei und kann die Reparatur oder Wartung ausführen.

Bei einem anderen Projekt in Polen konnte Bilfinger einem Mitarbeiter des Kunden auf der Anlage eine AR-Brille zur Verfügung stellen, um so virtuell Zutritt zu der Anlage zu erhalten. Ein tatsächliches Betreten der Anlage durch Bilfinger-Mitarbeiter war aufgrund der COVID-19-Pandemie nicht möglich.

„Wir entwickeln unser Angebot ständig weiter“, erklärt Jörg Stieglitz. „Aufgrund der aktuell deutlich angestiegenen Nachfrage prüfen wir gerade Möglichkeiten, wie eine solche Zuschaltung eines Experten aus der Ferne auch mit Standardsoftware und -geräten, wie Kameras oder Smartphones, funktionieren kann.“

Links: In Gersthofen übermittelt Daniel Kindler mit seiner AR-Brille dem Kollegen in Frankfurt alle notwendigen Informationen
Rechts: Zu Besuch in Frankfurt trifft Daniel Kindler (rechts) seinen Kollegen Michael Vierneusel am PumpenTeststand in der Werkstatt der Bilfinger Maintenance